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Geburtsbräuche aus aller Welt: So wird die Ankunft des Neugeborenen gefeiert

Eine Geburt ist ein ganz besonderer, magischer Moment, an dem neben den Eltern oftmals auch die komplette Familie oder die Freunde teilhaben wollen. Das kleine Wunder soll gefeiert und gesegnet werden, damit es möglichst viel Freude in seinem Leben verbreitet. Die Geburt in Indien beispielsweise wird von spannenden Bräuchen begleitet. In einem Dorf namens Plipantri pflanzt man zur Geburt eines Mädchens stets 111 neue Bäume und hegt und pflegt sie, sodass sie ebenso wie das Mädchen gesund heranwachsen. Über eine Viertel Million Bäume wurden so im Laufe der Zeit gepflanzt. Wir haben uns umgesehen, welche Geburtsrituale Eltern und ihre Angehörigen in Deutschland pflegen und wie sich die Traditionen weltweit davon unterscheiden.

Brauch zur Geburt: regionale Unterschiede in Deutschland

In Deutschland gibt es ein reges Brauchtum rund um die Geburt, das jedoch je nach Region unterschiedlich ausfällt. Hier einige Traditionen, die vieler Orten begangen werden:

Babykleidung auf Wäscheleine

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  • Storch/Wäscheleine/Bäumchen stellen: Je nach Region stellt man einen Storch im Garten der frischgebackenen Eltern auf, spannt eine Wäscheleine an der Hausfassade oder platziert ein Bäumchen im Garten. Der Storch trägt eine Babypuppe in einer entweder rosa (= Mädchen) oder blau (= Junge) gefärbten Windel im Schnabel. An der Wäscheleine oder am Bäumchen hängt man stattdessen Babykleidung, Spielsachen oder Schnuller auf.
  • Hühnerfest: Diesen Geburtsbrauch begeht man vor allem in Ostberlin. Dabei schlachtet der Vater des Neugeborenen ein Huhn, das er gemeinsam mit Freunden und Verwandten ausnimmt und daraus eine Hühnersuppe kocht. Anschließend wird sie gemeinsam verzehrt – eine Fleischeinlage bekommen aber nur die Männer, die schon Vater sind.
  • Umtrunk: In vielen Gegenden findet zuhause ein Umtrunk statt, mit dem alle gemeinsam die Geburt feiern, während die Mutter mit dem Kind noch im Krankenhaus ist. Was vor der Geburt die Baby Shower ist, ist der Umtrunk nach der Geburt. Teilweise warten die Väter damit auch, bis die Familie wieder komplett zuhause ist, damit auch die Mutter beim Umtrunk dabei sein kann.
  • Bäumchen pflanzen: Ähnlich wie in Plipantri hat auch das Pflanzen von Bäumchen eine große Tradition in Deutschland, wobei man sich hier auf ein Exemplar beschränkt. Traditionell vergräbt der Vater die Plazenta im Garten und pflanzt darauf ein Bäumchen – einen Apfelbaum für einen Jungen, einen Birnbaum für ein Mädchen. Im Regelfall tragen sie dann zum ersten Mal Früchte, wenn das Kind eingeschult wird.
  • Bixnmacherei: Dieser Geburtsbrauch ist vor allem in Bayern verbreitet. Freunde oder Verwandte stellen dabei am Straßenrand ein Schild auf, auf dem „Zur Bixnmacherei“ steht. Als „Bixn“ bezeichnet man in Bayern Mädchen, das Schild deutet also daraufhin, dass in dem Haushalt „nur“ Mädchen geboren werden. Früher war dies Anlass für die Nachbarn, dem Vater Geld zu spenden, da er später die Hochzeit des Kindes komplett bezahlen muss.

Bräuche und Feiern zur Geburt rund um die Welt

Auf der ganzen Welt kommen Kinder unter sehr unterschiedlichen Umständen zur Welt. Doch nirgends geschieht dies völlig unbeachtet – stets ist die Geburt in begleitende Riten eingebettet:

Mutter mit ihrem Neugeborenen

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  • Glücksfarbe Gelb: In Brasilien tragen alle Neugeborenen, die aus dem Krankenhaus nach Hause kommen, gelbe Kleidung. Hintergrund ist, dass die Brasilianer der Überzeugung sind, dass Gelb die Glücksfarbe der Neugeborenen ist.
  • Glücksfarbe Rot: Auch in Italien und Spanien gibt es einen ähnlichen Brauch – hier ist es aber die Farbe Rot, die Glück bringen soll. Das Glückshemdchen für das Baby wählt entweder die Schwiegermutter oder die Patentante aus.
  • Segnung: Die Kinder von Japanern werden am zehnten Tag nach der Niederkunft in einem Shinto-Tempel gesegnet.
  • Munddusche: In Afrika, Indonesien, Ozeanien und in Brasilien gibt es den Geburtsbrauch, dass die Mütter Wasser in den Mund nehmen, es so erwärmen und ihr Baby dann damit waschen. Dies stärkt die Bindung zum Kind.
  • Kräuterwasser: Nach einer Geburt in Afrika, insbesondere in Togo, dürfen die Neugeborenen frühestens sieben Tage nach ihrer Geburt das Haus verlassen. Zu diesem Anlass wird Wasser mit verschiedensten Kräutern über dem Dach vergossen. In dem Moment, in dem es heruntertropft, gehen die Eltern mit dem Kind hindurch. Durch den Kräuterguss soll das Kind auf alle Eventualitäten vorbereitet werden, die das Leben für es bereithält.
  • Einstreichen: Das Brauchtum zur Geburt der Himba in Namibia mag hierzulande vielleicht ein wenig seltsam erscheinen. Das Baby wird dort mit roter Farbe eingestrichen, um es einerseits vor Insektenstichen und der Sonne zu schützen, andererseits aber auch, um dessen Aufnahme in die Welt der Lebenden zu symbolisieren.
  • Plazentaverbrennung: Wie in Deutschland spielt in Kamerun auch die Plazenta eine wichtige Rolle bei den Geburtsbräuchen. Man verbrennt sie an der Schwelle zur Küche und vergräbt die Überreste gemeinsam mit der abgefallenen Nabelschnur im Garten. So behalten die Eltern immer einen Teil ihres Kindes zuhause, selbst wenn es später flügge wird und eine eigene Familie gründet.
  • Stirnband: In Afghanistan gibt es den Brauch, Neugeborenen ein kunstvoll besticktes Stirnband aufzusetzen, das sie vierzig Tage lang tragen müssen. Teilweise handelt es sich stattdessen auch um eine entsprechend verzierte Mütze. Dies soll die Bildung einer großen Stirn fördern, was dort als besonders würdevoll und intelligent gilt.
  • Bad im Rauch: Das Rauchbad wird beispielsweise in Indien und bei den Aborigines in Australien praktiziert, ist aber auch nach einer Geburt in Afrika üblich. Dabei wird das Neugeborene über ein Feuer gehalten, in dem Harz oder Weihrauch mit verbrannt werden. Dies soll vor Krankheiten und Geistern schützen.
  • Armband: Der Heiler des Dorfes flechtet in Zentralafrika aus Kleidungsstücken der Eltern ein dünnes Armband. Dieses trägt das Neugeborene ab der Geburt am Handgelenk. Auch im Jemen spricht man eng anliegenden Armbändern die Kraft zu, das Herz des Kindes vor Geistern zu schützen.
  • Gold: In Indien sticht man schon Neugeborenen im Rahmen eines feierlichen Rituals ein Ohrloch. Anschließend erhalten sie goldene Ohrringe, die einen Schutz vor Krankheiten und bösen Geistern bewirken sollen. In Griechenland legt man Babys Goldstücke in die Wiege, um ihnen im übertragenen Sinne „Reichtum“ zu schenken.
  • Zuckermandeln: In Frankreich gehören Zuckermandeln zu den typischen Bräuchen zur Geburt. Mädchen schenkt man rosa Zuckermandeln, Jungen die hellblaue Ausführung.
  • Das erste Hemd: Das erste Kleidungsstück, das das Baby nach der Geburt getragen hat, wird in Algerien nicht gewaschen, sondern stattdessen aufbewahrt. Die Familie näht es in das Kopfkissen des Neugeborenen ein und schützt es so vor bösen Geistern.
  • Schutz der Fontanelle: Die Fontanelle des Babys mit einem Schutz zu bestreichen, ist in mehreren Ländern verbreitet. Die Tibeter verwenden dafür eine Mischung aus Butter und Ruß, in Neuguinea hingegen ist die Nutzung von Erde verbreiteter.

 

Welche Bräuche werden in Ihrer Gegend oder in Ihrem Herkunftsland gepflegt? Wir freuen uns auf Ihre Ergänzungen! Die Willkommensrituale sind übrigens auch schöne Geschichten, die Sie für Ihr Kind im Babybuch festhalten können.